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Wer trägt das Risiko?

Nexus Mutual, Teil 1: Die gemeinsame Kasse und die Leute, die das Risiko prüfen

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Das Problem und die Idee

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Auf der Blockchain gibt es Risiken

Wer Geld in ein Protokoll legt, verlässt sich auf eine Kette von Dingen, die alle funktionieren müssen. Der Vertrag, der das Geld verwaltet, muss fehlerfrei sein. Der Preisdienst, an dem die Sicherheiten hängen, muss richtige Zahlen liefern. Der Stablecoin, in dem gerechnet wird, muss seine Bindung halten. Die Börse, bei der etwas verwahrt liegt, muss auszahlen, wenn man es abholen will.

Jede dieser Stellen ist in den letzten Jahren schon einmal ausgefallen. Ein Vertrag wird ausgenutzt und leergeräumt. Ein Preisdienst liefert für ein paar Blöcke einen falschen Kurs, und eine eigentlich gesunde Position wird liquidiert. Ein Stablecoin rutscht von einem Dollar weg. Ein Verwahrer stoppt die Auszahlungen und meldet Wochen später Insolvenz an.

Eine Blockchain macht Risiko also nicht kleiner. Sie verschiebt es nur: weg von der Bank, hin zu Code und Abhängigkeiten. Was sie zusätzlich ändert, ist die Sichtbarkeit. Ein Hack steht in der Kette. Eine Liquidation ist eine Transaktion. Ein Depeg ist eine Zahlenreihe. Wo ein normaler Versicherer erst mühsam feststellen muss, ob überhaupt etwas passiert ist, kann hier jeder nachsehen.

Damit steht dieselbe Frage im Raum wie bei jeder Versicherung: Wer übernimmt dieses Risiko, und was kostet das?

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Eine Gemeinschaft, die Risiken zusammen trägt

Nexus Mutual ist keine Versicherungsgesellschaft. Es ist eine Gemeinschaft von Mitgliedern, die Kapital zusammenlegen und damit gegenseitig Risiken tragen. Es gibt keine Aktionäre, die den Gewinn bekommen; das Geld gehört den Mitgliedern gemeinsam.

Man kennt diese Form aus der klassischen Versicherungswelt: eine Gegenseitigkeitsgesellschaft. Nexus nennt sich selbst „decentralized insurance alternative that allows members to join and share risk", auf Deutsch eine dezentrale Alternative zur Versicherung, in der Mitglieder beitreten und Risiko teilen.

Zwei Dinge daran sind wichtig, weil sie oft falsch wiedergegeben werden.

Erstens: Es entscheidet kein Automat über Schäden. Viele erwarten bei einer Blockchain-Anwendung, dass ein Programm einen Auslöser misst und dann von selbst auszahlt. So läuft es hier nicht. Ein Schaden wird geprüft, und zwar anhand der veröffentlichten Bedingungen des jeweiligen Covers. Dass Menschen beurteilen, ist Absicht und keine Schwäche des Systems.

Zweitens: Mitglied wird man nicht durch Anklicken. Dazu gehören eine Ausweisprüfung, die Zustimmung zu einer Mitgliedervereinbarung und eine kleine einmalige Gebühr. Nexus ist also nicht anonym.

Daraus entsteht allerdings leicht ein Missverständnis, und das räumen wir gleich als Nächstes aus dem Weg: Nicht jeder, der ein Cover kauft, muss vorher Mitglied sein.

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Wie man überhaupt an ein Cover kommt

Es gibt zwei Wege. Den direkten: Man wird Mitglied und kauft auf der Seite von Nexus. Und einen zweiten, der weniger bekannt ist.

Nexus erlaubt anderen Anbietern, den Cover-Kauf in die eigene Anwendung einzubauen. In der Entwicklerdokumentation steht dazu: „you can allow users to buy cover directly in your frontend. Users don't have to join the Mutual when they buy cover." Auf Deutsch: Du kannst Nutzer Cover direkt in deiner eigenen Oberfläche kaufen lassen; sie müssen dem Mutual dafür nicht beitreten.

Das ist eine wichtige Aussage. Nexus muss nicht die Website sein, auf der jemand kauft. Nexus kann im Hintergrund stehen, während der Kunde mit einer ganz anderen Anwendung spricht: einer Wallet, einem Dashboard, einer DeFi-Oberfläche.

Die Arbeitsteilung ist dabei klar geschnitten. Nexus stellt das Risiko, das Kapital und die Bedingungen. Der Anbieter davor stellt die Oberfläche, die Auswahl, die Erklärung und den Vergleich. Man kann sich das wie einen Laden vorstellen, der eine Ware verkauft, die er nicht selbst herstellt.

Ein Unterschied bleibt aber bestehen, und er ist wichtig: Kaufen und einen Schaden melden sind zwei verschiedene Dinge.

Beim KaufNutzer, Verkaufsstelle, Nexus-Cover. Das Risiko trägt Nexus. Eine Mitgliedschaft braucht es für diesen Schritt nicht.
Im SchadenfallSchaden melden, dafür Mitglied werden, Prüfung, mögliche Auszahlung.

Für den zweiten Schritt gilt nämlich wieder die Regel des Hauses: „in the event of a loss, you will be required to join as a member of Nexus Mutual to file your claim." Auf Deutsch: Im Schadenfall muss man Mitglied von Nexus Mutual werden, um den Anspruch einzureichen.

Wo CoverRaccoon dabei steht

CoverRaccoon ist das Projekt, aus dem heraus dieser Text entsteht, und es sitzt genau an dieser Stelle: vor einem Anbieter wie Nexus, nicht an dessen Stelle. Eine solche Schicht kann Risiken erklären, Produkte vergleichbar machen, die Bedingungen verständlich darstellen, auf Ein- und Ausschlüsse hinweisen, den Kauf begleiten, bestehende Deckungen anzeigen und an Verlängerungen erinnern.

Was sie nicht tut: das Risiko tragen. Das Risiko, die Bedingungen und die Entscheidung über einen Schaden bleiben beim Anbieter, hier also bei Nexus Mutual. CoverRaccoon versichert niemanden. Es ist die Schicht zwischen dem Nutzer und der Stelle, die das Risiko übernimmt.

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Wie es innen funktioniert

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Die gemeinsame Kasse

Nexus hat, stark vereinfacht, zwei Ebenen. Die erste ist ein einziger großer Topf, der Capital Pool. Dort liegt das Geld der Gemeinschaft, in ETH, USDC und cbBTC.

In diesen Topf fließt hinein, was Mitglieder für ihre Cover bezahlen, was jemand einzahlt, um NXM zu bekommen, und was die Gemeinschaft mit ihrem Kapital verdient. Heraus fließt vor allem eines: Aus dem Capital Pool wird ein anerkannter Schaden tatsächlich bezahlt.

Mehr muss man über diese Ebene zunächst nicht wissen. Sie ist die Kasse. Wie viel darin mindestens liegen muss, damit alle laufenden Deckungen bedient werden können, rechnet Nexus nach festen Regeln aus; die Formel dafür steht im Anhang und ist für das Verständnis nicht nötig.

Interessanter ist die Frage, die dieser Topf allein nicht beantworten kann.

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Die Risikoprüfer

Die zweite Ebene sind die Staking Pools. In der Praxis ist ein solcher Pool eine Person oder ein Team mit Erfahrung in Risikofragen, dazu das Kapital, das sie und andere ihnen anvertrauen.

Wer einen Pool führt, entscheidet vier Dinge: welche Risiken der Pool überhaupt annimmt, wie viel NXM er dagegen einsetzt, wie viel Deckung daraus entstehen soll und zu welchem Mindestpreis. In der Versicherungswelt würde man einen guten Teil dieser Tätigkeit Underwriting nennen.

Ein Pool-Betreiber sagt damit sinngemäß: „Dieses Protokoll halte ich für gut genug. Ich bin bereit, dafür eigenes NXM einzusetzen." Ein anderer kann dasselbe Protokoll ablehnen. Beide dürfen das, und keiner von beiden bekommt recht zugesprochen. Was zählt, ist, wie viel Deckung am Ende zu welchem Preis zustande kommt.

Das ist der eigentliche Grund für diese zweite Ebene. Ohne sie müsste eine zentrale Stelle für jedes Protokoll, jede Börse und jeden Stablecoin entscheiden, ob und zu welchem Preis man das Risiko annimmt. Das ist genau die Arbeit einer Versicherungsgesellschaft, und sie ist teuer und langsam. In einem Markt, in dem monatlich neue Protokolle entstehen, wäre sie kaum zu leisten.

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Bezahlt werden und verlieren können

Bleibt die Frage, warum jemand freiwillig fremdes Risiko auf sich nimmt. Die Antwort hat zwei Hälften, und beide gehören zusammen.

Die erste Hälfte: Wer Risiko übernimmt, wird dafür bezahlt. Verkauft Nexus ein Cover, bekommen die Staker jener Pools eine Vergütung, aus denen die Deckung stammte. Sie läuft über die Laufzeit des Covers und kann jederzeit abgeholt werden; der Pool-Betreiber behält davon einen vereinbarten Anteil.

Die zweite Hälfte: Wer sich irrt, verliert. Wird ein Schaden anerkannt und ausgezahlt, wird ein Teil des NXM vernichtet, das genau für dieses Risiko eingesetzt war. Nicht das NXM aller Staker, sondern das jener, die dieses eine Risiko gezeichnet haben.

Beides zusammen ergibt den Kern des Systems. Die Vergütung ist keine Verzinsung und kein Lohn für Rechenarbeit, wie man sie vom Staken einer Blockchain kennt. Sie ist der Preis dafür, dass jemand bereit ist, im Schadenfall etwas zu verlieren. Wer die Rendite nimmt, ohne das Risiko einzuschätzen, hat nur die Zahl gesehen und nicht die Position.

GENAUERWohin die Cover Fee fließt, und woher die Vergütung kommt
Zwei Vorgänge, die leicht verwechselt werden. Was der Käufer bezahlt, die Cover Fee, fließt vollständig in den Capital Pool: „All cover fees are paid into the Capital Pool in full." Auf Deutsch: Alle Cover Fees fließen vollständig in den Capital Pool. Die Vergütung der Staker ist etwas anderes, nämlich neu erzeugtes NXM im Gegenwert von 50 Prozent dieser Gebühr.

Deshalb stimmt der verbreitete Satz „die Prämie geht an die Staker" nicht. Das Geld geht in die gemeinsame Kasse; die Staker bekommen Token.

UNSCHÄRFE in den Quellen. Drei offizielle Seiten formulieren das unterschiedlich. Die Cover-Seite schreibt, die Gebühr werde „converted to NXM […] and this NXM is streamed to stakers" - in NXM umgewandelt und an die Staker gestreamt. Die Capital-Pool-Seite schreibt, alle Gebühren flössen vollständig in den Capital Pool. Die Staking-Seite spricht von 50 Prozent, die als NXM-Rewards gemintet, also neu geprägt werden. Die einzige Lesart, in der sich alle drei Sätze vertragen, ist die oben beschriebene. Diese Auflösung ist meine, nicht die der Quelle.
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Wie daraus ein kaufbares Cover wird

Jetzt lässt sich der Fall vom Anfang durchspielen: 100.000 USDC in einem Lending-Protokoll, 50.000 davon sollen gedeckt sein.

1Nexus führt dieses Protokoll als Produkt. Es gibt also veröffentlichte Bedingungen dafür, was gedeckt ist und was nicht.
2Ein oder mehrere Pool-Betreiber halten das Protokoll für zeichenbar und setzen NXM dagegen ein.
3Daraus entsteht verfügbare Deckung. Wie viel Cover aus einem bestimmten Einsatz entstehen kann, rechnet Nexus nach festen Kapazitätsregeln aus; die genaue Formel ist hier nicht entscheidend.
4Solange davon noch genug frei ist, kann unser Nutzer seine 50.000 USDC decken. Er wählt Summe und Laufzeit und bezahlt.
5Passiert nichts, läuft das Cover aus. Die Staker behalten ihre Vergütung, der Nutzer hat für Ruhe bezahlt.
6Passiert ein gedeckter Exploit und wird der Schaden anerkannt, zahlt der Capital Pool.
7Gleichzeitig wird NXM jener Pools vernichtet, die dieses Risiko getragen hatten.

Ein Punkt daran verdient Aufmerksamkeit: Nexus setzt den Preis nicht zentral fest. Es gibt keine Abteilung, die für ein Protokoll 2,6 Prozent im Jahr ausrechnet. Die Pool-Betreiber setzen jeweils eine Untergrenze, und darüber entscheidet die Nachfrage.

Der Mechanismus dahinter ist einfach: Je mehr von der verfügbaren Deckung schon gekauft ist, desto teurer wird die nächste. Kauft niemand, sinkt der Preis mit der Zeit wieder in Richtung der Untergrenze. Das verteuert Deckung genau dann, wenn viele sie gleichzeitig wollen, also womöglich in dem Moment, in dem etwas in der Luft liegt.

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Wenn der Schaden eintritt

Der Ablauf ist kurz erzählt. Der Nutzer meldet den Schaden und legt Nachweise vor. Geprüft wird anhand der veröffentlichten Bedingungen genau dieses Covers, nicht nach einem allgemeinen Gefühl dafür, was fair wäre. Wird der Schaden anerkannt, zahlt Nexus aus dem Capital Pool.

Gleichzeitig werden jene belastet, die dieses Risiko übernommen hatten: Ein Teil ihres eingesetzten NXM wird vernichtet.

Diese Zweiteilung ist der eigentliche Trick. Würde jeder Schaden einfach auf alle verteilt, hätte niemand einen Grund, sorgfältig auszuwählen; der Vorsichtige trüge dieselbe Last wie der Sorglose. Wäre umgekehrt jeder Pool allein für seine Fälle zuständig, fehlte bei einem großen Schaden schnell das Geld. Nexus macht beides: Die gemeinsame Kasse sorgt dafür, dass gezahlt werden kann, und die gezielte Vernichtung sorgt dafür, dass eine Fehleinschätzung bei dem ankommt, der sie getroffen hat.

HINTERGRUNDWer über Schäden entscheidet, hat sich zweimal geändert
Wer bei Nexus über einen Schaden entscheidet, war nicht immer dieselbe Gruppe. Das ist wichtig, weil fast jede ältere Erklärung im Netz ein Verfahren beschreibt, das es so nicht mehr gibt.

Von 2019 bis März 2023 konnte jedes Mitglied NXM einsetzen und mitstimmen, mit einer Zustimmungsschwelle von 70 Prozent. Von März 2023 bis November 2025 entschied eine nach Einsatz gewichtete Mehrheit. Seit November 2025 entscheidet ein Gremium aus drei namentlich bekannten Fachleuten, mit einem Fenster von 72 Stunden je Fall; zwei von drei Zustimmungen genügen. Für einzelne Produkte kann stattdessen ein eigens bestimmter Prüfer zuständig sein.

Diese Entwicklung löst ein echtes Problem, nämlich Laienabstimmungen über komplizierte Schadenfragen mit Geld auf beiden Seiten. Sie schafft aber auch ein neues: Über Schäden entscheidet jetzt eine kleine, benannte Gruppe. Das ist einer der Punkte, an denen das Wort „dezentral" für Nexus nur noch eingeschränkt zutrifft.
TEIL DREI

Was daraus wird

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Wogegen man sich absichern kann

Nexus führt derzeit ein gutes Dutzend Produkte. Wichtiger als der Katalog ist, welche Arten von Problemen überhaupt abgedeckt werden können.

Fehler in ProtokollenDer Ursprung des Ganzen: ein Vertrag wird ausgenutzt, ein Preisdienst versagt, eine Konstruktion erweist sich als fehlerhaft. Beispiel: der Exploit bei Euler im März 2023, rund 2,4 Millionen Dollar an Zahlungen.
Verwahrer und BörsenDiebstahl oder blockierte Auszahlungen bei einer zentralen Stelle. Beispiel: FTX im November 2022, gut 4,9 Millionen Dollar.
Stablecoins, die ihre Bindung verlierenDeckung gegen genau definierte Depeg-Ereignisse, etwa bei USDe, USDT, crvUSD oder WBTC.
SlashingVerluste an gestakten Beträgen, wenn ein Validator bestraft wird oder die Technik dahinter versagt.
Liquidationen gehebelter PositionenFür Strategien, bei denen nicht der Depeg selbst den Schaden macht, sondern die Liquidation, die er auslöst.
Ganze Portfolios und SonderfälleDeckung, die mehrere Positionen zusammenfasst, dazu Spezielles wie Bug-Bounty-Deckung.

Seit 2019 hat Nexus nach eigenen Angaben kumuliert über 7 Milliarden Dollar an Deckung gezeichnet und mehr als 18,5 Millionen Dollar an Schäden gezahlt. Die zu einem Zeitpunkt laufende Deckung liegt je Produktgruppe im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Daran lässt sich zweierlei ablesen. Aus einer Deckung gegen Vertragsfehler ist etwas Breiteres geworden. Ein großer Markt ist es deswegen noch nicht: Gemessen an klassischen Spezialversicherern sind diese Summen klein.

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Ein Marktplatz für Risiko

Fügt man die Teile zusammen, sieht man etwas anderes als eine Website, auf der man Krypto-Versicherung kauft.

Da ist das Risiko, das an konkreten Protokollen und Verwahrern entsteht. Da ist das Kapital, das in der gemeinsamen Kasse liegt. Da ist das Wissen der Leute, die entscheiden, was hineindarf und zu welchem Preis. Und da ist die Nachfrage, die über Preis und verfügbare Deckung darauf trifft.

Weil verschiedene Prüfer dasselbe Risiko verschieden einschätzen dürfen, entsteht daraus ein Markt. Ein Risiko, das viele für beherrschbar halten, bekommt viel Deckung und wird billiger. Eines, das schwer einzuschätzen ist, bekommt wenig und wird teuer. Und eines, das niemand zeichnen will, ist eben nicht deckbar.

Ob diese Preise gut sind, ob sie also treffen, wie wahrscheinlich ein Schaden wirklich ist, steht damit nicht fest. Dafür ist die Geschichte zu kurz und von zu wenigen großen Fällen geprägt.

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Und warum ist NXM etwas wert?

Damit ist das Grundmodell beisammen. Eine gemeinsame Kasse, aus der gezahlt wird. Darüber Leute, die entscheiden, welches Risiko hineindarf, und die dafür bezahlt werden und verlieren können. Dazwischen ein Preis, der aus Angebot und Nachfrage entsteht.

Das Interessante daran ist weniger, dass eine Polizze durch Software ersetzt wird. Interessanter ist die Frage, ob sich die Auswahl von Risiken überhaupt als offener Markt organisieren lässt, statt in einer Firma. Bei Nexus ist das Kapital sichtbar, das Risiko einzelnen Prüfern zugeordnet, der Preis aus der Nachfrage entstanden und die Prüfung eines Schadens nachlesbar.

Ob das trägt, wird sich nicht in guten Jahren zeigen, sondern an dem Tag, an dem mehrere große Schäden gleichzeitig eintreten.

Und dabei fällt auf, dass ein Ding in diesem System auffällig viele Rollen gleichzeitig spielt. NXM ist der Einsatz, mit dem Risiko übernommen wird. NXM ist die Vergütung, die dafür gezahlt wird. NXM ist das, was im Schadenfall vernichtet wird. Und hinter NXM steht die gemeinsame Kasse.

Warum hat NXM dann überhaupt einen Wert?

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Anhang: Begriffe, Zahlen und Quellen

Hier stehen die Angaben, die im Text bewusst weggelassen wurden, weil sie für das Verständnis nicht nötig sind. Wer nachrechnen will, findet sie hier; wer das Modell verstanden hat, braucht sie nicht.

Capital PoolHält ETH, USDC und cbBTC und gehört allen Mitgliedern gemeinsam: „The Capital Pool is jointly owned by all Nexus Mutual members." Auf Deutsch: Der Capital Pool gehört allen Mitgliedern von Nexus Mutual gemeinsam. Claims werden daraus gezahlt.
Mindestkapital, MCRDer Mindestbetrag, den das Mutual braucht, um mit hoher Sicherheit alle Schäden zahlen zu können. Gerechnet als laufende Gesamtdeckung in ETH geteilt durch einen Faktor, derzeit 4,8. Das vollständige Modell dahinter läuft außerhalb der Kette und wird per Abstimmung nachgezogen.
KapazitätWie viel Deckung aus einem Einsatz entsteht: Einsatz mal einem festen Faktor von 2,0 mal dem Zielgewicht des Produkts, abzüglich möglicher Drosselungen. Nähert sich die laufende Deckung eines einzelnen Eintrags 20 Prozent des Mindestkapitals, kann gedrosselt werden.
MehrfacheinsatzDasselbe NXM kann gegen mehrere Produkte zugleich eingesetzt werden, bis zum Zwanzigfachen. Das beruht auf der Annahme, dass nicht alle gedeckten Ereignisse gleichzeitig eintreten.
PreisDer Pool-Betreiber setzt eine Untergrenze zwischen 1 und 100 Prozent. Jeder Kauf hebt den Preis um 0,05 Prozentpunkte je Prozent genutzter Kapazität; danach sinkt er mit 2,0 Prozent pro Tag in Richtung Untergrenze.
Vernichtung im SchadenfallVernichtet wird der Gegenwert der Auszahlung, geteilt durch den NXM-Preis und durch den Kapazitätsfaktor. Beispiel der Dokumentation: 50 ETH Schaden bei 0,1 ETH je NXM und Faktor 2 ergeben 250 NXM.
NXM kaufen und verkaufenÜber den Ratcheting AMM: zwei virtuelle Pools auf dem Capital Pool, über die das Mutual NXM zu einem selbst gestellten Preis kauft und verkauft. Er hat 2023 die frühere Bonding Curve abgelöst.
MitgliedschaftAusweisprüfung nach KYC und AML, Zustimmung zur Mitgliedervereinbarung, einmalig 0,0020 ETH.

Alle Mechanismen stammen aus der Dokumentation von Nexus Mutual, abgerufen am 29. September 2026: die Übersichts- und Mitgliedschaftsseiten, die Protokollseiten zu Cover, Pricing, Capacity, Capital Pool, Mindestkapital, Staking und Schadenbeurteilung, die Seite zu Point-of-Sale-Integrationen sowie die Schadenhistorie samt Einzelseite zu FTX. Der Produktkatalog steht unter nexusmutual.io/product-index.

Die Angaben zu laufender Deckung, gezahlten Schäden und Einnahmen stammen aus zwei Blogbeiträgen von Nexus Mutual selbst, dem Jahresrückblick vom 15. Januar 2026 und einem Beitrag zur kumulierten Deckungssumme vom 6. Juli 2026. Zahlen des Anbieters, nicht unabhängig geprüft.